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SDEMKM#001: KM vs. EH "Lieber kleiner Eintänzer" (1930)
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, snookerbee, krammofoon, Charleston1966, Der_Designer
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Musikmeister
Sa Okt 19 2019, 18:15
Registriertes Mitglied #226
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Am Anfang des Jahres 1949 gab es im Berliner Rundfunk unregelmässig eine 25-minütige Radiosendung mit dem Namen „Stelldichein mit Kurt Mühlhardt“. Sendebeginn war 08:15 Uhr morgens.
Diese Tradition möchte ich mit einer neuen Sendereihe fortsetzen.
Hier soll es hauptsächlich um den Gesang von Kurt Mühlhardt gehen, weniger um flotte Tanzmusik, d.h. auch viele Tangos, Walzer etc. werden gesendet.
Da wir ja mittlerweile unter uns sind, kann die Hörerschaft ja kaum weniger werden.
Ich möchte eigentlich zuerst grob den chronologischen Ablauf der Aufnahmetätigkeit bei den verschiedenen Plattenfirmen wiedergeben, den Anfang macht aber wünschgemäß ein Duell „Mühlhardt vs. Hartung“ aus einer Zeit, da es wohl für Hartung die erste Aufnahme war, Mühlhardt aber schon Aufnahmen am Fliessband produzierte. Der Vergleich ist natürlich Geschmackssache.
Mein kurzes Fazit in der Fussballsprache lautet:

Mühlhardt vs. Hartung 1:0

Etté vs. Walis 1:0



Der Titel stammt von Willy Rosen mit Text von Robert Gilbert.
Die Walis-Version ist akkordeonlastig und Erwin Hartung singt nicht ganz so schlecht wie auf der Rückseite "Traumkönigin". Sein Gesang wirkt aber unnatürlich und teilweise unverständlich. Bei der Etté-Version funkt ein Trompeter im Gesangspart neben dem Spiel von Etté selbst immer wieder kurz dazwischen, was mir sehr gefällt. Der Gesang von Kurt Mühlhardt kommt routiniert rüber.


Bernard Etté und sein Orchester,
Refrain: Kurt Mühlhardt
"Lieber kleiner Eintänzer"

Aufnahme: ca. Juli 1930
VÖ: Oktober 1930
Kristall 3111
mx. C 589



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Jazz-Sinfonie-Orchester Eddy Walis,
Refrain: Erwin Hartung
"Lieber kleiner Eintänzer"

Aufnahme: ca. Sommer 1930
VÖ: ca. Herbst 1930
Phonycord Flexible 597
mx. 11651



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[ Bearbeitet Sa Okt 19 2019, 18:18 ]
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livschakoff
Sa Okt 19 2019, 20:18
Registriertes Mitglied #483
Dabei seit: Do Feb 21 2013, 13:55
Einträge: 615
Hier hatte der junge Erwin Hartung in der Tat noch nicht zu seinem Stil gefunden; er versuchte, die elegant-einschmeichelnde Gesangsmanier eines Monosson oder Mühlhardt (teilweise unter Verwendung des Kopfregisters der Stimme) zu imitieren - was ihm überhaupt nicht überzeugend gelang: manche Hörer mögen Schwierigkeiten haben, hier Hartung sofort als Sänger zu erkennen. - Erst später gelangte er unter geflissentlicher Vermeidung lyrischer Kompositionen zu seiner Domäne, dem forschen Stimmungsschlager, dessen Hauptgewicht auf dem launigen Text liegt und Hartung dann eher als singenden Vortragskünstler denn als eigentlichen Sänger zu einem Begriff machte.

Die Verwandlung eines noch unerfahrenen und suchenden, andere Interpreten vorläufig kopierenden Schlagersängers zu einem Künstler mit eigenem Stil kann man noch sinnfälliger bei Udo Jürgens nachempfinden, dessen erste Schlagerplatten (auf Heliodor) mit Fremdtiteln (also nicht Jürgens' eigenen Kompositionen) man "irgendwo unglücklich zwischen Vico Torriani und Rudi Schuricke" ansiedeln kann - bevor der singende und spielende Komponist Udo Jürgens dann unverwechselbar wurde.
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snookerbee
So Okt 20 2019, 13:13

Registriertes Mitglied #166
Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 4668
Wenn der Name Hartung nicht auf der Platte stehen würde, hätte ich ihn kaum zuordnen können. Sehr spannend für mich zu hören, dass Mühlhardt mit seinen Stil praktisch die Vorlage für Hartungs Bemühungen lieferte. Und es spricht sehr für Hartungs Gestaltungswillen, dass er es vermochte, sich von diesem Vorbild zu lösen und eine eigene Stimme entwickeln konnte. Das machte ihn letztlich unverwechselbar und damit erfolgreich.
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berauscht
So Okt 20 2019, 17:12
"Urgestein"

Registriertes Mitglied #19
Dabei seit: Mi Jan 06 2010, 21:59
Einträge: 1076
Komisch, dass zu den Aufnahmen von 1930 gesagt wird, er habe seinen Stil noch nicht gefunden. Hartung war ja bereits 1926 Mitglied des Ensembles der Haller-Revue, und gehörte zu den 10 Gesangshauptdarstellern. Seine Leistungen auf der Bühne wurde in der Presse immer nur positiv bewertet.
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livschakoff
So Okt 20 2019, 20:21
Registriertes Mitglied #483
Dabei seit: Do Feb 21 2013, 13:55
Einträge: 615
berauscht schrieb ...

Komisch, dass zu den Aufnahmen von 1930 gesagt wird, er habe seinen Stil noch nicht gefunden. Hartung war ja bereits 1926 Mitglied des Ensembles der Haller-Revue, und gehörte zu den 10 Gesangshauptdarstellern. Seine Leistungen auf der Bühne wurde in der Presse immer nur positiv bewertet.

Ich meinte mit Stil nicht Hartungs Schauspielkunst im allgemeinen (darüber weiß ich nichts) , sondern seine anfängliche Art, ins Mikrophon zu singen, die sich zunächst wohl am damals herrschenden Schönheitsideal der Refrainsänger orientierte (klassisch ausgebildete Sänger mit einer "richtigen Stimme" wie Kuttner oder Tauber waren ja seit Erfindung der elektrischen Aufnahmetechnik für die leichte Muse nicht mehr unbedingt notwendig - eine Ausnahme bildete Marcel Klass, der tatsächlich eine klassische Gesangsausbildung besaß und für ein halbes Jahr für die GRAMMOPHON Aufnahmen tätigte - merkwürdigerweise wird er gelegentlich mit dem stimmtechnisch ganz anders agierenden Monosson verwechselt).
Was und wie Hartung also auf der Revuebühne gesungen haben mag, wissen wir heute nicht - es waren meiner Einschätzung nach aber wohl kaum die zarten Weisen, mit denen er überzeugt haben dürfte. - Hartungs Beliebtheit hat spätestens mit einigen flotten Richard-Forst-Platten und seinen legendären Einspielungen des Meier-Foxtrots unter Godwin (Ende 1932) sicherlich enorm zugenommen und seinen Ruf als singender Bonvivant zweifellos gefestigt.
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Musikmeister
So Okt 20 2019, 21:23
Registriertes Mitglied #226
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
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Kurt Mühlhardt hatte Mitte der 20er Jahre seine Schauspielausbildung sowie eine private mehrjährige Gesangsausbildung bei Professor Bernardo Albini in Berlin-Schöneberg abgeschlossen. Im Vergleich zu Erwin Hartung ist Mühlhardt ca. 2 Jahre jünger, beide haben auch im selben Alter im Theater angefangen. Mühlhardt aber eben in der Musikmetropole Berlin.
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