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COLEMAN HAWKINS "Body And Soul" / "Fine Dinner"
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, snookerbee, krammofoon, Charleston1966, Der_Designer
Autor Eintrag
jitterbug
Di Sep 10 2019, 12:21
Registriertes Mitglied #501
Dabei seit: Mi Mär 27 2013, 16:49
Einträge: 754
Der amerikanische Saxophonist COLEMAN HAWKINS folgte 1934 einer Einladung des Bandleaders und Agenten JACK HYLTON, mit dessen Orhester von London ausgehend eine Tournee durch Europa zu unternehmen.


COLEMAN HAWKINS "Estrad" April 1941

Aus der Band von FLETCHER HENDERSON kommend, hatte HAWKINS zuvor in den USA gemeinsam mit dem Trompeter HENRY RED ALLEN eine eigene Band geleitet und bereits etliche stilprägende Schallplattenaufnahmen hinter sich, als er als der "weltgrößte Saxophonist" in Europa einschlug wie eine Bombe: Nicht nur, dass sein Ton und seine Imprvisationstalent die Zuhörer begeisterte, er beeinflusste auch etliche europäische Musiker: So erzählte PRIMO ANGELI, dass sein damaliger Bandleader NANNI DAL DELLO 1935 einen "Betriebsausflug" mit der gesamten italienischen Band nach Amsterdam unternahm, um HAWKINS erleben und studieren zu können. Bei einer After-Hour Jammsession durfte PRIMO ANGELI sogar mit HAWKINS gemeinsam jammen, "ein ganz komisches Gefühl" meinte er in der Erinnerung kanpp 70 Jahre später...

Etliche Stationen folgten London, wo Aufnamenem mit STANLEY BLACK und später auch JACK HYLTON gemacht wurden: In Paris, Zürich, und bei Hilversum entstanden einige grandiose Plattenaufnahmen mit den besten Bands der Zeit: THE RAMBLERS, THE BERRIES, MICHEL WARLOP mit ARTHUR BRIGGS, BENNY CARTER mit ALIX COMBELLE und DJANGO REINHARDT und eine Solo-Platte mit dem Pianisten FREDDY JOHNSON.

Bei seiner Rückkehr in die USA mit Kriegsausbruch in Europa nahm COLEMAN HAWKINS eine erste Platte bereits am 11. Oktober 1939 in New York auf. Er galt immer noch als einer der großen Wegbereiter des expressiven Saxophons, auch wenn in den USA die musikalische Entwicklung berets progressivere Wege einschlug als in Europa.

So nahm er neben der Eigenkomposition "Fine Dinner" als Rückseite die Ballade "Body And Soul" auf, mit der er sein Improvisationstalent unter Beweis stellte:

Nur die ersten vier Takte spielt er in einer Form, die die Melodie erkennen lässt, dann schweift er über zwei Chorusse völlig ab und begibt sich auf musikalisches Neuland. So gilt diese Aufnahme als ein Wegbereiter des Bebop-Stils und hatte erstaunlicherweise einen enormen kommerziellen Erfolg.

Erstaunlicherweise besitze ich diese Platte als deutsche ELECTROLA-Pressung für den skandinavischen Export als HIS MASTER'S VOICE für Dänemark. Sie erschien in Skandinavien erst in dieser Ausgabe im Februar 1941 und wurde im Mai 1941 in der schwedischen Zeitschrift "Estrad" ("Bühne") vorgestellt.


"Estrad" Mai 1941

COLEMAN HAWKINS and his Orchestra
Coleman Hawkins (ts, lead), Joe Guy, Tom Lindsay (tp), Earl Hardy (tb), Jackie Fields, Eustie Moore (as), Gene Rodgers (p), William C. Smith (b), Arthur Herbert (dr)

Fine Dinner (Hawkins)
COLEMAN HAWKINS and his Orchestra

Mx: 042934-1 (B 10523 B im Wachs)
HMV (ELECTROLA) X.6534
Aufnahme: New York, 11. Oktober 1939 (BLUEBIRD)
Veröffentlichung in Skandinavien Februar 1941
(unbearbeitete Digitalisierung)


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Body And Soul (Heymann/Sour/Eyton/Green)
COLEMAN HAWKINS and his Orchestra

Mx: 042936-1 (B 10523 A im Wachs)
HMV (ELECTROLA) X.6534
Aufnahme: New York, 11. Oktober 1939 (BLUEBIRD)
Veröffentlichung in Skandinavien Februar 1941
(unbearbeitete Digitalisierung)



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Während der deutschen Besatzung Dänemarks erschienen etliche HMV-Platten der "X"-Skandinavien-Serie als ELECTROLA-Pressung im Export. Dies reichte von dänischen Aufnahmen aus dem Schlager- und Tanzmusikbereich wie GERDA & ULRIK NEUMANN oder AAGE JUHL-THOMSON bis zu EARL HINES, GLENN MILLER und DUKE ELLINGTON. In der Regel wurden existierende Schallplatten umgeschnitten, was im Wchs mit der Kennung "-0" hinter der Matriznummer ersichtlich wird, da die deutsche ELECTROLA nicht über Original-Matrizen verfügte.

Diese COLEMAN HAWKINS-Platte ist tatsächlich nicht mit "-0" gekennzeichnet, sondern trägt, wie die amerikanische BLUEBIRD-Ausgabe nur die Bestellnummer im Wachs, so wie auch in den USA die Matriznummern in der Regel nicht auf der Platte vermerkt wurden.

"Body And Soul" steht in enormem Kontrast zu der Aufnahme, die LOUIS ARMSTRONG 1930 machte und so bietet sich ein Vergleich mit dem Beitrag im Sender von Claus an: "Body And Soul" LOUIS ARMSTRONG

Viel Vergnügen mit diesem Meilenstein der Jazzgeschichte wünscht Euch mit vielen Grüßen aus Berlin Stephan
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snookerbee
Di Sep 10 2019, 19:27

Registriertes Mitglied #166
Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 4646

Deine Sendung, lieber Stephan, bringt nicht nur diese wegweisende Aufnahme des Übergangs vom Swing zum Bop (in einer frühen Privataufnahme nimmt der blutjunge Charlie Parker auf Hawkins platte Bezug). Auch die forsch swingende und selten gespielte Rückseite kommt zu Ehren mit einem kurzen Solo des Trompeters Joe Guy, der als einer der ersten dem modernen Trompetenstil von Dizzy Gillespie folgte. Hawkins nahm in den folgenden Jahren gern junge und mit dem Bebop-Stil verbundene Soloisten in seine Gruppen auf.

Zu "Body and Soul" sein noch ergänzt, dass die Nummer zum ständigen Repertoire von Hawkins Live-Auftritten gehörte. 2011 übergab der Sohn des Tontechnikers William Savory die Hinterlassenschaft seines Vaters von über 900 Aufnahmeplatten dem National Jazz Museum in Harlem. Darunter befindet sich auch eine 5 minütige live-Version von "Body and soul" aus dem Jahr 1940. Es gibt sie unter dem Titel "Savory Collection Vol. 1 - Body and Soul: Coleman Hawkins & Friends" bei Itunes.

Danke für diese tolle Ergänzungssendung und den damit möglichen Vergleich zu Armstrongs Fassung!

VG Claus
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Odeon89
Fr Sep 13 2019, 18:23
Registriertes Mitglied #160
Dabei seit: Di Mär 22 2011, 12:19
Einträge: 359
Danke für diese schöne Sendung mit zwei mir bislang unbekannten Aufnahmen! Eine sehr interessante Pressung obendrein!
Beste Grüße,
Kai
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