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647 - Mohammed, der Prophet - Lutz Templin - ca. 1948
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, snookerbee, krammofoon, Charleston1966, Der_Designer
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snookerbee
Sa Mai 18 2019, 13:54

Registriertes Mitglied #166
Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 4512

Wenn das Gespräch auf Lutz Templin kommt, dann hören und lesen wir zuerst und zumeist von seiner Tätigkeit im Propaganda-Orchester. Das ist nach meiner Meinung und in Anbetracht der praktischen Unmöglichkeit, Platten mit dem „Charlie“-Etikett zu finden, etwas einseitig. Denn gemessen an der gefühlten Zahl an Templin-Platten im Umlauf sind ja auch seine regulären Veröffentlichungen auf Grammophon/Polydor nicht gerade im Übermaß verfügbar. Während also in der Charlie-Betrachtung schon eine Art Legendenbildung mitschwingt, scheint mir Templins Wirken in der Nachkriegszeit so gut wie vergessen. Das ist sehr schade, denn hier setzt sich ganz konsequent fort, was Templin in der frühen 1940ern begann: die Hinwendung zu international gängigen musikalischen Standards in der Big Band-Musik bis hin zur Einbeziehung der harmonischen Entwicklungen des modernen Jazzgeschehens.

Unser Kollege Austroton hat in seinem Kanal schon einige Musiken aus den Nachkriegsjahren gespielt. Beispielhaft ist folgende Sendung > CLICK < mit weiterführenden Links zu anderen Titeln. Die Plattenseite „Pavane“ ist dabei die Rückseite meiner heutigen Sendung und hier gibt (neben Gemeinsamkeiten bei den Matrizennummern) einen Hinweis auf dem Etikett, dass um 1947/48 Erwin Steinbacher und Lutz Templin in Zusammenarbeit miteinander verbunden waren. Vielleicht war es ein gemeinsames Orchester, das von zwei Dirigenten geleitet wurde, vielleicht tauschte man Arrangements oder nutzte gegenseitig je nach Verfügbarkeit Auftrittsmöglichkeiten. Jedenfalls hat Steinbacher hier für Templin als Komponist mitgewirkt.

Ohne das Aufnahmedatum zu kennen, könnten wir annehmen, dass das Arrangement mit seinen chromatischen Elementen aus den 1950ern stammt. Verwendet es doch eine harmonische Sprache, die so noch lange Zeit bei den Rundfunkorchestern zum guten Ton gehörte. Der Klaviersolist der Aufnahme, die tatsächlich ca. 1948 entstand, verrät seine Kenntnis der Erroll Garner-Stils, eines Musikers, der erst seit knapp zwei Jahren auf Platten zu hören war und hier in der Art, die Akkorde zu setzen, Einfluss nahm. Auch der Klang des Aufnahmestudios zeichnet sich durch Frische und Klarheit aus. Manche Nachkriegsplatten sind ja eher dumpf in ihrer Qualität. Nicht so hier, wenn dem Techniker auch ein kleiner Lapsus passierte, da er im letzten Viertel der Aufnahme ein Raummikrophon unerwartet hinzumischte, was das Gesamtbild für einige Sekunden etwas überdimensioniert.

Lutz Templin hat durch seine Tätigkeit in Stuttgart Ende der 1940er Jahre den Grundstein gelegt für den späteren Erfolg des Rundfunkorchesters unter der Leitung von Erwin Lehn. Vielleicht inspiriert die Sendung dazu, Lutz Templin einmal wieder unter diesem Aspekt betrachten. Platten gibts scheinbar nur wenige. Es wäre schön, noch ein paar zu finden …




Mohammed, der Prophet
Foxtrott
(Heinz Weiss - Erwin Steinbacher)
Lutz Templin mit seinem Orchester
POLYDOR 48111 B

Im Wachs:
647 KK
22.7.47
A

Aufnahme:
München, 14. Mai 1948 (nach Lange)

Matrizenprüfdatum und Aufnahmedatum schließen sich gegenseitig aus.
Vielleicht ist das Datum im Wachs fehlgestempelt.

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Musikmeister
So Mai 19 2019, 14:55
Registriertes Mitglied #226
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Einträge: 1047
Hallo Claus,

die Platte ist im September/Oktober 1948 mit dem Nachtrag 2 zum Hauptkatalog 1948 erschienen, so dass wohl eher hier Lange recht hat.
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snookerbee
So Mai 19 2019, 15:14

Registriertes Mitglied #166
Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 4512
Danke fürs Nachsehen, Lars. Die Rückseite hat ja mx. 645 KK mit dem Datum "22. 7. 48"! Die Stempelung "47" im Spiegel meiner Platte ist also ein Fehler.

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obbbs
Do Mai 23 2019, 14:40
Registriertes Mitglied #209
Dabei seit: Mo Aug 08 2011, 23:10
Einträge: 282
Herrlich swingende Aufnahme! Danke für die schöne Sendung. BG, Oliver
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