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Arno Schellenberg singt: Hochzeitslied (Carl Loewe) 1943
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, snookerbee, krammofoon, Charleston1966, Der_Designer
Autor Eintrag
livschakoff
Fr Sep 14 2018, 17:46
Registriertes Mitglied #483
Dabei seit: Do Feb 21 2013, 13:55
Einträge: 573
In Dresden ist eine Straße nach ihm benannt worden - und das sicherlich mit gutem Grund: Arno Schellenberg (1903-1983) gehörte zu den verdienstvollsten und populärsten Sängern der Semperoper; er wirkte dort von 1932 bis weit in die Nachkriegszeit hinein. Darüber hinaus war er ein geschätzter Gesangspädagoge im Hochschuldienst (Ost-Berlin und Dresden).
Dem Liedgesang hat sich Schellenberg seit den 30er Jahren in Liederabenden gewidmet. Leider sind Lied-Tondokumente mit ihm rar: es gibt einige Aufnahmen in Zusammenarbeit mit dem legendären Pianisten Michael Raucheisen aus dem Reichsrundfunk-Studio in Berlin (1942), die immerhin sogar auf CD greifbar waren.

Bei der GRAMMOPHON hat Schellenberg, der Ende der 30er Jahre einiges Populäres bei ELECTROLA aufgenommen hatte, möglicherweise nur eine einzige Aufnahmesitzung bestritten;
daraus resultieren (meines Wissens) vier Liedaufnahmen (Matrizen 2252-2255 GE 9 - mit Zweittakes für 2253 und 2255) mit dem brillanten Pianisten (und Dirigenten) Ferdinand Leitner.
Die Einspielungen sind wohl von 1943 (im Spiegel: MechanCopt 1943).
Die Charm-Diskographie nennt hier das Datum 17.2.1943, an anderer Stelle werden dann aber niedrigere Matrizen für Schlusnus (z.B. 2232 GE 9) mit dem späteren Datum 11.6.1943 aufgeführt.
Genaues weiß man also wohl nicht.
Es ist unwahrscheinlich, daß die Grammophon-Aufnahmen bereits im Krieg erschienen sind. Dagegen sprechen die hohen Bestellnummern (68402 bzw. 68305 sowie 68398 (wohl andere Koppelung)).
Da diese Platten weder im Mai-Katalog 1948 auftauchen noch im Katalog 1951/52, dürften sie wohl dazwischen für kurze Zeit erhältlich gewesen sein. Das vielen Hören eher unvertraute Repertoire dürfte nur wenige Käufer angelockt haben; zudem war Schellenberg - inzwischen DDR-Bürger - bei Musikkennern im Westen kaum noch präsent.
Eine dieser Platten habe ich heute morgen auf einem Trödelmarkt gefunden und sogleich einen Titel davon digitalisiert.
(Es ist freilich nur etwas für "Spezialisten" unter den Klassik-Liebhabern:)

DGG 68305 B
2255 1/2 GE 9
Hochzeitslied (Carl Loewe - J.W.v.Goethe)
Arno Schellenberg, Bariton
Ferdinand Leitner, Klavier




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Grammophoniker
Sa Sep 15 2018, 16:50
Registriertes Mitglied #337
Dabei seit: Mi Mär 14 2012, 18:42
Einträge: 438
Eine interessante Klassik-Platte. Auch so eine Art Musik gefällt mir sehr gut. Vielen Dank für diesen Hörgenuss.
Gruß
Stefan
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Polyfar41
Sa Sep 15 2018, 17:55
Radiohörer
Registriertes Mitglied #823
Dabei seit: Di Jan 12 2016, 19:31
Einträge: 213
Ich habe noch ein paar Anmerkungen hierzu:

der 17.Febr.43 als Datum für 2252-2255-ge9 scheint plausibel, denn mir liegt für eine andere DG-Platte(57206 HM) mit den Mx.-nummern 2216-ge9/2217-ge9 das Aufnahmedatum 13.Jan.43 vor.

Die erwähnte Schlusnus-Matrix 2232 vom 11.Juni 43 trägt als Suffix allerdings nicht -ge9 sondern -gs9. Das ist dann eine andere Baustelle (anderer Produzent bzw. anderes Projekt) mit einer Serie von Aufnahmenummern, die eigenständig verwaltet werden. Daher ist es normal, wenn sich die zugehörigen Aufnahmedaten zeitlich gesehen nicht einfügen. Die Abfolge der Nummern allein ist zur Bestimmung des Aufnahmedatums nicht aussagefähig, denn es sind, nun wird es noch komplizierter, auch noch getrennte Mx.-Nummernkreise für 25- bzw. 30-cm-Platten mit im Spiel.

Die angehängte Ziffer ist übrigens das Kennzeichen für das Aufnahmestudio, aus dem die Aufnahme stammt. Die "9" steht für das ehem. Central-Theater in der Alten Jakobstr.30-32 in Berlin-Kreuzberg, in das die DG 1938 eingezogen war.
Sie musste zu dieser Zeit für den großen Stadtplaner ("Hauptstadt Germania") den Schumann-Saal (Lützowstr.76, Studio 7) und das Kino Lützow-Palast (Lützowstr.110, Studio 8) räumen, weil da für die grosse Nord-Süd-Magistrale alles platt gemacht werden sollte. Dazu kam es kriegsbedingt nicht, aber auch das Central-Theater hat schließlich den Krieg nicht überlebt.

Viele Grüße
Klaus
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snookerbee
Sa Sep 15 2018, 18:41

Registriertes Mitglied #166
Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 4517
@Polyfar41
Das sind sehr interessante Informationen zu den Studios. Herzlichen Dank dafür!

Ich hatte vor Jahren lediglich die unten stehenden Infos zusammentragen können, wobei sich hier die Hausnummern der Studios 8 und 9 unterscheiden. Aber vermutlich sind das dann Übertragúngsfehler? Gibt es denn auch für die Studios 1 bis 6 noch Adressen, ev. auch mit Jahreszahlen?

Dann könnten wir die Liste komplettieren und im Forum posten.

1 - Berlin, Hochschule für Musik, Raum I
7 - Berlin, Lützowstraße 76, Raum VII
8 - Berlin, Lützowstraße 111, Raum VIII
9 - Berlin, Alte Jakobstraße 32, Raum IX

VG Claus
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livschakoff
Sa Sep 15 2018, 21:00
Registriertes Mitglied #483
Dabei seit: Do Feb 21 2013, 13:55
Einträge: 573
Danke für die informativen und freundlichen Kommentare!
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Konezni
Sa Sep 15 2018, 22:53
Registriertes Mitglied #802
Dabei seit: So Aug 23 2015, 14:28
Einträge: 140
Bei den Daten der Matrizen 2252 - 5 GE9 und 2216/7 GE9 handelt es sich um diejenigen des Eingangs der Wachse im Presswerk. Aufnahmedaten der Blöcke GE und GS sind leider nur wenige überliefert.
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Polyfar41
So Sep 16 2018, 10:39
Radiohörer
Registriertes Mitglied #823
Dabei seit: Di Jan 12 2016, 19:31
Einträge: 213
@snookerbee

Ja, die Abweichungen der Hausnummern sind aber unkritisch. Grundstückszusammenlegungen beim Bau eines großen Hauses führten qua Amtsschimmel zu diesen Doppelnummern wie 30-32 oder 110/111, auch wenn nur ein einziges Haus da stand. Wahrscheinlich war es dann praktischer, sich im Alltag auf eine einfache Hausnummer festzulegen. Insofern sind "Alte Jakobstr. 32" und "Lützowstr. 111" die völlig korrekten Adressangaben.

Vorwort zu Raum 1 - 9:

Eine Liste der DG-Aufnahmeräume, so wünschenswert sie wäre, wird leider nie komplett werden, denn die Adressen der Räume 2 bis 6 sind anscheinend nicht (mehr) bekannt und auch mir bisher in den letzten Jahrzehnten niemals begegnet.

Die Ziffer hinter der Matrixnummer konnte ich erstmals auf DG-Pressungen ab Jahrgang 1927 beobachten.
Man weiß also, was die Zeit davor betrifft, letztendlich nicht, wann welcher Raum in Betrieb ging.
Wenn man davon ausgeht, dass die Nummernfolge selbst einen chronologischen Ablauf herstellt, müßte Raum 1 also die älteste Gründung sein.

Die angegebenen Nutzungszeiten habe ich aus einer eigenen Datenbank durch Auswertung mehrerer Tausend Matrixnummern mit Aufnahmejahr oder-datum vorhandener Aufnahmen ermittelt. Ich bin kein Schellacksammler, besitze aber eine große Anzahl historischer Aufnahmen aus Klassik und Unterhaltungsmusik auf gekauften CDs, deren Daten ich zum Teil mühevoll selbst ergänzt habe.

Die Räume im einzelnen:

Raum 1: Hochschule für Musik, B-Charlottenburg, Hardenbergstr./Ecke Fasanenstr. 1928 - 1938
Raum 2: unbekannt, Berlin 1928 - 1932
Raum 3: unbekannt, Berlin 1930 - 1932
Raum 4: unbekannt, Berlin 1927 - 1930
Raum 5: unbekannt, Berlin keine Berliner Aufnahmen gefunden
Es gibt eine Serie Mx. 2333-2340-ge5 vom 18.05.1943 mit dem Bayerischen Staatsorchester, Sänger(innen): Milinkovic, Taubmann, Hann, Eipperle, Fügel, Dirigent: Hollreiser, also alles in München tätige Künstler. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das ganze Ensemble wegen 8 Aufnahmen nach Berlin gereist ist, und halte aus diesem Grund München als Raum 5 für diese Aufnahmen sehr wahrscheinlich.
Vielleicht war die 5 aber auch eine allgemeine Sammelnummer für diverse Auswärts-Aufnahnen. Ich weiß hierzu leider nichts näheres.
Raum 6: unbekannt, Berlin 1930 - 1932
Raum 7: Bach-Saal/Schumann-Saal, (ehem. Konservatorium), B-Schöneberg, Lützowstr. 76 1930 - 1937
Raum 8: Lützow-Palast, (ehem. Kino), B-Schöneberg, Lützowstr.111 1932 - 1938
Raum 9: Zentral-Theater, (ehem. Central-Th.), B-Kreuzberg, Alte Jakobstr. 32 Herbst 1938 - mind.1943

Als weitere Aufnahmeorte ohne Zuordnung einer Raumnummer sind überliefert:

DG AG (Firmenzentrale ab 1900) , B-Kreuzberg, Markgrafenstr. 37 mind. 1 Aufnahmeraum bis 1917

Polyphon-DG (Firmenzentrale ab 1918), B-Kreuzberg, Markgrafenstr. 76 1-3 Aufnahmeräume bis 193?

(Synagoge), B-Schöneberg, Lützowstr. 10

Berliner Liedertafel, B-Kreuzberg, Urbanstr. 21

Neue Philharmonie, (Tanzlokal), B-Kreuzberg, Köpenicker Str. 96
"Zwischenlösung" 1938 vor Einzug in die Alte Jakobstr.
(Quelle: Sophie Fetthauer: Deutsche Grammophon Geschichte eines Schallplattenunternehmens im "Dritten Reich", S.62)

Singakademie, (Telefunken-Studio), B-Mitte, Am Festungsgraben 2 1937 - 1940
Da sich die DG ab 1937 anteilig und 1940 sogar zu 100% im Besitz der Telefunken-Platte befand, war es organisatorisch durchaus möglich, einzelne DG-Produktionen hier aufzunehmen.
1941 endete die Liaison, die DG ging zu 100% an den Siemens-Konzern.

So, das ist alles, was ich zu diesem Thema beitragen kann.

Viele Grüße
Klaus
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snookerbee
So Sep 16 2018, 15:30

Registriertes Mitglied #166
Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 4517
Polyfar41 schrieb ...

So, das ist alles, was ich zu diesem Thema beitragen kann.


Da bin ich jetzt platt, Klaus...

Herzlichen Dank für die vielen Informationen, die ich erst mal auswerten muss.

Mit herzlichem Dank
Claus

PS. Im Forum habe ich dazu einen Thread angelegt: > CLICK <
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Konezni
So Sep 16 2018, 23:51
Registriertes Mitglied #802
Dabei seit: So Aug 23 2015, 14:28
Einträge: 140
Der für die Münchener Matrizen 2331-2354 GE5 angegebene 18. 05. 1943 ist ebenfalls ein Wachs-Eingangsdatum. Die 5 bedeutet nicht nur München, sondern allgemein außerhalb der eigenen Studios (ambulant), so etwa Amsterdam oder auch Berlin, Philharmonie.
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Polyfar41
Mo Sep 17 2018, 16:48
Radiohörer
Registriertes Mitglied #823
Dabei seit: Di Jan 12 2016, 19:31
Einträge: 213
@ Konezni

Vielen Dank für Ihre Ergänzung,
damit ist das Geheimnis von Raum 5 nun gelöst:
es ist also sozusagen ein "virtueller" Raum für die Einordnung der Aufnahmen aus Nicht-DG-Studios in- oder außerhalb Berlins.

Viele Grüße
Klaus
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Musikmeister
Mo Sep 17 2018, 18:21
Registriertes Mitglied #226
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Einträge: 1047
Viele Grammophon-Aufnahmen haben hinter der Angabe der Matrizenserie keine Zahl stehen. Die wurden dann wohl "extern" aufgenommen, überwiegend wohl auch in Berlin beim Rundfunk usw. Für mich ist die 5 ein bisher unbekannter "fester" Berliner Standort, wenn auch Aufnahmen hierfür schwer zu finden sind.



Arno Schellenberg, Mai 1938
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Polyfar41
Di Sep 18 2018, 08:11
Radiohörer
Registriertes Mitglied #823
Dabei seit: Di Jan 12 2016, 19:31
Einträge: 213
@Musikmeister

Das würde bezogen auf mein obiges Beispiel bedeuten, dass die Aufnahmen mit dem Bayer. Staatsorchester sowohl im Sept. 1941 (-ge 5) als auch im Mai 1943 (-ge 5) nicht in München sondern in Berlin entstanden wären. Das kann ich mir aber immer noch nicht vorstellen, dass Orchester plus Solisten des Nationaltheaters während der laufenden Spielzeit nach Berlin verreist waren, von den Kosten so einer Aktion mal ganz abgesehen.

Gruß
Klaus
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Konezni
Mi Sep 19 2018, 22:22
Registriertes Mitglied #802
Dabei seit: So Aug 23 2015, 14:28
Einträge: 140
Das Fehlen einer Zahl hinter der Matrizennummer basiert meist auf Schlamperei; ab 1944 wird sie gar nicht mehr angegeben.
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Musikmeister
So Sep 23 2018, 20:59
Registriertes Mitglied #226
Dabei seit: So Aug 21 2011, 21:23
Einträge: 1047
@Polyfar41

Zumindest möchte ich ausschliessen, dass die 5 eine Sammelnummer für Auswärts-DG-Aufnahmen wäre. Das sind für mich zum Teil die Aufnahmen mit fehlender Zahl, überwiegend aber Berliner Aufnahmen aus Nicht-DG-Räumen. Als Beispiel eine DG-Platte aus 1929, nachweislich in Paderborn aufgenommen, ohne Zahlenangabe. Mit dem von dir genannten Aufwand als Grund für ein Münchner Aufnahmeraum bin ich bei dir, aber ein welcher ist dies für das Verhältnis zu den bisher bekannten Aufnahmen mit der Zahl -5? Da gilt für mich bisher die Wahrscheinlichkeit, wenn 8 von 9 Aufnahmeräumen in Berlin liegen, sehr wahrscheinlich dies auch der 9. ist.

Schlamperei bei den fehlenden Zahlenangaben möchte ich ausschliessen. Als Beispiel eine Nachkriegspressung von 1938er Aufnahmen, bei der neben der noch ungeklärten Depositato-Angabe auch immmer noch die Zuordnung des Aufnahmeraums -8 vermerkt wurde, obwohl dies zu dieser Zeit nicht mehr üblich war.




Arno Schellenberg mit Lisa Otto, Staatsoper Dresden 1948
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