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501 - Coal Cart Blues - Louis Armstrong & Sidney Bechet - 1940
Moderatoren: SchellackFreak, berauscht, Grammophonteam, Formiggini, krammofoon, Charleston1966
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snookerbee
Mo Sep 25 2017, 10:59 Druck Ansicht
Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 3735

Ein Montags-Blues ...

Die heutige Sendung präsentiert mal wieder beste New Orleans-Musik: Der "Coal Cart Blues" wurde von Louis Armstrong in Erinnerung an seine Zeit als Kohlenkutscher geschrieben, einem körperlich schweren Job, dem er in seiner Heimatstadt zeitweise nachging. Als Komponistin ist seine zweite Frau Lil Hardin mit auf dem Etikett erwähnt, was uns in die Zeit der Erstaufnahme des Liedes im Jahre 1925 führt. Damals hatte Eva Taylor gesungen - in der Begleitung spielte Armstrong das Kornett. 1938 entstand eine Version mit Armstrongs Big Band unter dem Titel "Satchelmouth Swing" mit völlig anderem Text, in dem er die Freuden des Musizierens besingt. Die hier gespielte Platte von 1940 ist die nach m. M. gelungenste Version unter den drei Aufnahmen. Obwohl auf dem Etikett "Orchestra" steht, handelt es sich bei der Band um ein Quartett, wobei die Rhythmusgruppe sogar ohne Klavier und Schlagzeug auskommt.

Louis Armstrongs Partner ist der legendäre Sidney Bechet, der als einer der ersten Jazzer diese Musik als originaler Vertreter in die Welt trug (in der Mitte der 1920er sogar bis nach Moskau!). Die Zusammenarbeit der beiden berühmten Söhne von New Orleans ist auf nur wenigen Platten dokumentiert. Das geht wohl auf eine große Rivalität zwischen beiden zurück, deren Ursache ich aber nicht benennen kann. Mit Clarence Williams Gruppe jedenfalls spielten beide Musiker 1925 einige Aufnahmen, dann erst wieder 1940. 1945 gab es ein Armstrong-Konzert, zu dem Bechet als Gast eingeladen, allerdings auf der Bühne von Armstrong praktisch in den Hintergrund gedrängt wurde. Das führte dazu, dass Sidney Bechet bei ähnlichen Anlässen einfach nicht mehr erschien. Man ging sich von da an aus dem Weg.

Zum Glück existiert diese wunderbar lässige Einspielung des "Coal Cart Blues" von 1940 mit jener magischen Verflechtung der Melodielinien, die uns Geschichten erzählen, wie sie wohl nicht in Worte zu fassen sind. Viel Spaß damit!



COAL CART BLUES - FOX-TROT
(Armstrong, Hardin)
LOUIS ARMSTRONG & HIS ORCHESTRA
L. Armstrong, Tpt; S. Bechet, Sop;
B. Addison, Guit; W. Braud, Bass
(Vocal Chorus by Louis Armstrong)
DECCA BM B 03165
67820

Im Wachs:
NP [gespiegelt]
DT
x.
U
67820

Aufnahme: New York, 27. Mai 1940

Besetzung:
Louis Armstrong (tp, voc)
Sidney Bechet (ss)
Bernard Addison (g)
Wellman Braud (b)

Die Platte zerrt leider etwas an den lauten Stellen.

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Nostalphon
Mo Sep 25 2017, 11:59
Dabei seit: So Apr 06 2014, 08:02
Einträge: 1978
Ein herrlicher Montags-Blues an einem sonnigen Montagvormittag.
Sehr interessante Einleitung, die du uns hier schilderst.
Unter Künstlers geht es leider oft nach dem Motto:
Auge um Auge, Zahn um Zahn.
Speziell aus der Blues Szene liest man leider des Öfteren über solche "Machtkämpfe".

Danke für diese Sendung
Gruß Jürgen

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Mr_Swingtime
Mo Sep 25 2017, 21:35
Dabei seit: Do Jan 01 1970, 01:00
Einträge: 1337
Vielen Dank für den hörenswerten New Orleans Blues mit dem genialen Satchmo. Viele Grüße von Reiner!
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schiebermaxe23
Di Sep 26 2017, 16:40
Radiohörer
Dabei seit: Mi Mai 18 2016, 10:56
Einträge: 562
Tolle Musik, absolut klasse.
Viele Grüße
schiebermaxe23
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78erhortig
Do Sep 28 2017, 08:04
Dabei seit: Do Apr 04 2013, 12:53
Einträge: 1097
naja, beides waren starke Persönlichkeiten, die neben sich Nichts zuließen, und Wirklichkeit waren es nicht die so netten Zeitgenossen, wie es so manche Photo zeigt. Über den Stil Bechet`s wurde ja gemunkelt, dass er deshalb so einen kräftigen Ton hatte, weil er immer lauter spielen wollte um die anderen zu übertönen.

Michl
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snookerbee
So Okt 01 2017, 01:16
Dabei seit: Fr Apr 15 2011, 20:12
Einträge: 3735
Michel, Du hast wohl recht. Louis hat ja auch in Europa nicht mit Django Reinhardt spielen wollen. Der war sozusagen gepilgert gekommen, um eines seiner amerikanischen Idole kennenzulernen. Irgendwo gibt es ein Foto von beiden, wo eine merkwürdige Spannung spürbar wird. Komisch, dass Armstrong und der Duke es dann mal geschafft haben, eine Platte zu machen. Dizzy Gillespie sah das etwas gelassener. Als er in den 1950ern mit seinem Vorbild Roy Eldridge auf Tournee war, wollte man beide nicht in einem Hotelzimmer übernachten lassen. Als Diz trotzdem darauf bestand, waren die Manager verwundert. Dizzy darauf: "Glaubt ihr etwa, ich würde Roy im Schlaf die Kehle durchschneiden?"
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